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Timecodeformate in der Filmtechnik
IRT / EBU-Timecode (DIN 15970/7 und 15971)


Erste Überlegungen, Filmstreifen mit einem maschinenlesbaren Nummerncode zu versehen, gab es bereits Anfang der 70er Jahre. Der ehemalige Cheftechniker des Bayerischen Fernsehens, Josef Schürer war auf der Suche nach Möglichkeiten, das Tonanlegen* bei aktuellem 16 mm-Filmmaterial zu beschleunigen.

Auf Basis der Vorschläge von Josef Schürer entwickelte das Institut für Rundfunktechnik in München (IRT) einen Timecode mit 4 Bit pro Bild. Bei diesem als IRT-Timecode (TC) bezeichneten Verfahren, wird auf dem der Perforation gegenüberliegenden Filmrand ein Strichcode aufbelichtet. Die Belichtung erfolgt mit vier grünen Leuchtdioden (LED), die in der Kamera etwas unterhalb des Bildfensters so angeordnet sind, dass der Timecode bei Verwendung von doppelseitig perforiertem Filmmaterial nicht mit den Perforationslöchern kollidiert.

Die Codierung erfolgt nach dem BCD-Standard (Binary Coded Decimal), mit dem jede Ziffer des Dezimalsystems durch einen 4 Bit-Code dargestellt werden kann. In der Praxis bedeutet dies, dass der Raum zwischen zwei Perforationslöchern in vier Segmente gleicher Größe aufgeteilt wird (siehe Abbildung). Dabei kann jedes Segment von den LEDs belichtet oder nicht belichtet werden. Entsprechend der Zahlenreihenfolge im Dualsystem, bekommt jedes Segment einen nummerischen Wert zugeordnet. Addiert man nun die Werte der belichteten Segmente, erhält man als Ergebnis die darin codierte Ziffer.

Nachfolgende Tabelle zeigt, wie die Codierung für die einzelnen Zahlenwerte aussieht. Ein schwarzes Feld steht dabei für ein unbelichtetes Filmsegment, ein weißes Feld für ein belichtetes.

Bei einer Laufgeschwindigkeit von 25 B/sec, können pro Sekunde 80 Bit (= 20 Ziffern) aufgezeichnet werden. Diese sehr begrenzte Anzahl reicht aus, um folgende Informationen auf den Film zu belichten:

  • Datum im Format
    JAHR - MONAT - TAG
  • Uhrzeit im Format
    STUNDEN - MINUTEN - SEKUNDEN
  • Kameranummer (dreistellig)
  • Synchronwort (dreistellig)
Codierte Ziffer 1 2 4 8
1 x      
2   x    
3 x x    
4     x  
5 x   x  
6   x x  
7 x x x  
8       x
9 x     x
0        

Die untere Tabelle zeigt, in welcher Reihenfolge die Daten auf den Film belichtet werden ( bei 25 B/Sek.):

Bild -Nr.
01 02
03 04
05 06
07 08
09 10
11 12
13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25
abgelgte
Information
Sek. Min. Std. Tage Monat Jahr Kamera-Nr.   Synchronwort

 

IRT-Timecode in der praktischen Anwendung

ARRI SR mit TC-GeneratorDas gesamte Timecodesystem besteht aufnahmeseitig aus einer modifizierten Kamera (ARRI SR I und II sind dafür bereits vorbereitet, siehe Foto), einem ebenso mit einer TC-Platine versehenen Tonbandgerät (z.B. Nagra IV) und einer Mutteruhr.

Zunächst wird die Mutteruhr programmiert, d.h. Uhrzeit (die selbstverständlich auch fiktiv sein darf) und Datum werden, einem Radiowecker ähnlich, eingestellt. Da die Datumsanzeige nicht mit der Uhrzeit verkoppelt ist, also um 23 Uhr 59 Min. 59 Sek. nicht auf den nächsten Tag überspringt, kann alternativ auch eine Produktionsnummer eingegeben werden.

Die eingestellte Mutteruhr wird nun über ein Kabel nacheinander mit Tonband und Kamera(s) verbunden. Die in den Geräten eingebauten TC-Generatoren synchronisieren sich auf Knopfdruck mit der Mutteruhr und laufen auch nach dem Lösen der Kabelverbindung für etwa einen Tag synchron. Soweit zusätzlich eine Kamera-Nummer definiert werden soll, was besonders bei Mehrkameraproduktionen sinnvoll ist, muss diese zwischen den einzelnen Setzvorgängen manuell an der Mutteruhr geändert werden. Am kameraseitigen Timcodegenerator muss zusätzlich die die verwendete Filmempfindlichkeit eingestellt werden, damit die TC-Aufbelichtung in der richtigen Stärke erfolgt.

Das einwandfreie Arbeiten der TC-Generatoren wird durch jeweils eine rote, blinkende LED an der Kamerarückseite bzw. dem Bandgerät angezeigt. Verlischt diese dauerhaft, muss der Timecode neu gesetzt werden. Dies ist beispielsweise auch dann der Fall, wenn das entsprechende Gerät mehr als vier Stunden ausgeschaltet war.

Weiterhin lassen sich die aktuellen Zeiten mit Hilfe der Mutteruhr überprüfen. Über eine zweite Kabelverbindung kann der Kamera- bzw. Tonband-Timecodewert auf dem Display der Mutteruhr angezeigt werden. Zusätzlich kann die Mutteruhr auch die Differenz (in Bildern) zwischen ihrer eigenen Zeit und der des angeschlossenen TC-Generators anzeigen. Eine Toleranz von 1 -2 Einzelbildern gilt hier noch als akzeptabel.

 

Wichtig für ARRI SR I und II:

Der kameraseitige TC-Genearator funktioniert nur bei Bildfrequenzen von 24 bzw. 25 B/sek. Wird die Kamera mit einer davon abweichenden Geschwindigkeit (z.B. mit ARRI VSU) gefahren, muss er daher unbedingt abgeschaltet werden. Andernfalls arbeitet die Kamera nicht einwandfrei, erkennbar ist dies am ungewöhnlich lauten Betriebsgeräusch.

Das Filmkopierwerk sollte über die IRT-Timecodeaufzeichnung informiert werden, da der Filmrand bei der Herstellung der Arbeitskopie mitkopiert werden muss. Standardmäßig ist dies oft nicht der Fall.

Bei der Tonumspielung wird der in der Pilotspur des Senkelbandes aufgezeichnete Timecode gelesen und auf das Perfo übertragen.

Ein entsprechend modifizierter Filmschneidetisch ist nun in der Lage, den Bild-TC von der Arbeitskopie und den Ton-TC vom Perfoband auszulesen. Auf Knopfdruck kann er den Ton zum Bild oder das Bild zum Ton suchen und automatisch anlegen. Eine Klappe als Synchronmarkierung ist nicht mehr erforderlich.

Nachteil das IRT-Timecodes ist, dass nicht jedes Einzelbild nummeriert wird. Die Einzelbildinformation gewinnt die Leseeinheit des Schneidtischs durch simples Zählen der Bilder zwischen zwei gelesenen Timecodeinformationen. Ist die Arbeitskopie einmal zerschnitten, kommt es häufig zu Lesefehlern, da die TC-Information auf Grund ihrer Länge (25 Bilder) an den Schnittstellen mit hoher Wahrscheinlichkeit verstümmelt wird.

Weiterhin ist das IRT-Timecodesystem nicht mit dem Super-16-Format kompatibel, da der TC-Strichcode hierbei im sichtbaren Bildbereich aufgezeichnet würde.


* Tonanlegen: Bei Aufnahmen auf Film werden Bild und Ton üblicherweise auf getrennten Trägermedien aufgezeichnet. Vor dem kreativen Schnitt muss der Ton daher synchron an das Bild "angelegt" werden, d. h. jeder aufgenommenen Szene wird das entsprechende Tonereignis zugeordnet. Als Synchronmarkierung dient die am Szenenanfang geschlagene Klappe: Das Aufeinanderschlagen ist im Bild deutlich zu sehen und auf dem parallellaufenden Tonband ("Perfoband", "Cordband") nicht weniger deutlich zu hören. ZURÜCK


© Stefan Neudeck
www.filmtechnik-online.de 24.12.2001